Oktober 2020
Ich gewinne die Flöte immer lieber.
Ich übe jeden Tag ein bisschen. Durch den Klavierunterricht habe ich einen regelmäßigen Übemodus entwickelt. Er fehlt mir geradezu, wenn ich keine Zeit dafür finden sollte.

Es ist keine besonders hochwertige Flöte, eine Schülerflöte von Yamaha und schon einige Jahre alt. Von unserer Tochter bestimmt nicht immer sehr gut behandelt worden. Sie ist aus Neusilber, nur Kamin und Mundplatte sind aus Silber. Geschlossene Klappen. Angeblich sei das leichter für einen Anfänger und wir wollten es ihr damals nicht zu schwer machen. Natürlich hatten wir gehört das offenen Klappen für ein sensibleres Spielgefühl besser wären. Aber wenn man selbst keine Ahnung von dem Instrument hat, wie soll man sich da entscheiden?

Ich habe mir das Notenheft gekauft mit dem meine Flötenlehrerin gerne arbeitet.
Durch das regelmäßige Üben sind mir die drei Töne vertraut. In unserer nächsten Stunde lerne ich das „B“ und das „F“.
Meine Lehrerin ist zufrieden das meine Finger oft die richtigen Klappen finden.
Der Lippenansatz ist dafür noch nicht korrekt. Man kann an der Mundplatte erkennen, das ich nicht mittig hineinblase. Der Beschlag geht eindeutig nach rechts. Ich soll das immer mal wieder kontrollieren.
Wir üben das Überblasen in die nächste Oktave. Das fällt mir nicht leicht. Und ich finde es hört sich schrecklich an. Manchmal denke ich sogar, ich wäre in der übernächsten Oktave, so schrill und hell hört es sich an.
Sie sagt es sei nicht so wichtig, das jetzt schon gut zu können. Ein Haus wird auf einem stabilen Fundament von unten nach oben aufgebaut. Deswegen ist es besser die untere Oktave zu festigen.  Nur sollte es zum Kennenlernen immer wieder mal gemacht werden.

Die G-Klappe „schmatzt“ gelegentlich.

HochstandIch bin bestimmt 3 bis 4 mal in der Woche draußen in der Natur zum Üben. Ich gehe an unterschiedliche Plätze. Einmal saß ich auf einem Jägerstand und habe von oben harmlose Fußgänger irritiert, die unvermutet unter mir vorbei spaziert sind.
Mein Lieblingsplatz ist an einem Feld, dort bin ich geradezu geschützt. Der Gehrweg ist ein wenig entfernt. Vor mir wächst ein hohes Maisfeld. Hinter mir steht eine Hecke, eine Heimstatt für viele Vögel. Dahinter fließt ein kleines Bächlein.
Beim ersten Mal üben an dieser Stelle haben die Vögel vor Schreck fast einen Herzinfarkt bekommen. Die armen Dinger. Haben mir direkt leid getan.
Inzwischen haben sie sich an mich gewöhnt und fliegen nicht mehr schimpfend in alle Richtungen davon. Vielleicht haben sie Mitleid mit dem Zweibeiner da unten, der sich am Flöten versucht.

Gerne gehe ich beim Spielen auf und ab. Die meisten Stücke kann ich schon auswendig, sie sind fast immer nur 8 oder 12 Takte lang. Manchmal gerate ich dabei ziemlich außer Puste. Das Atmen klappt nicht immer so gut.
Ich sollte vom Chorsingen eine gute Atemstütze haben, allerdings weiß ich nicht, ob ich sie wirklich entwickelt habe. Vielleicht denke ich nur, ich hätte eine.
Jedenfalls könnte es sein, das ich in Zukunft auf meine eh schon recht seltene Zigarettenpause ganz verzichten werde. Das ist mit Sicherheit nicht förderlich für das Flötespielen.

Vor kurzem habe ich ein wunderbares Erlebnis gehabt. Der Himmel bewölkt, es war etwas kalt und windig. Kein wirklich schönes Wetter. Fast wäre ich daheim geblieben. Trotzdem bin ich mit dem Fahrrad ins Grüne gefahren. Und wenn es nur für eine halbe Stunde ist, sehr viel länger kann ich eh noch nicht konzentriert üben.

Ich laufe hin und her, der flute-rookie ist dabei schnell in Luftnöten. Zur Beruhigung der Situation gehe ich ein paar Schritte ohne zu flöten. Dabei  ich spüre immer wieder wie die Flöte vibriert, fast ein wenig erschauert. Ich halte sie etwas höher und merke wie der Wind über die Kante der Mundplatte hinweg bläst. Ein Ton erklingt, nicht sehr laut, aber doch deutlich vernehmbar.
Schnell habe ich heraus wie ich die Flöte halten muß, um dem Wind den optimalen Ansatz anbieten zu können.
Der Wind ist ein unsteter Geselle. Hat mal stärker, mal zaghafter auf meiner Flöte geblasen. Ich habe ihm gezeigt, wie sich ein „G“, ein „A“, ein „H“ und ein „B“ anhören. Die anderen Töne wollte er nicht hören. Wir zwei, der Wind und ich, haben zusammen mit der kleinen Flöte musiziert.

Mir wurde ganz schwindelig vor Glück. Ich war ganz überwältigt nach diesem Erlebnis. Und fühlte mich eins mit dem Draußen, der Natur, der Flöte. Ich habe mit einem der vier Element Musik machen können. Ich als ein absoluter Anfänger an der Flöte.