November 2020

In der nächsten Flötenstunde bin ich durch die berufliche Anspannung sehr gestresst. Es ist schwierig für mich die Lippen zu entspannen. Sie sind verkrampft und ich bekomme kaum Töne heraus. Entweder hören sie sich rauschig an oder rutschen in irgendwelche Lagen, in denen ich sie nicht haben will. Das nervt mich.

Ich kann nun gut erkennen was für ein persönliches Instrument die Flöte ist. Sie zeigt sehr deutlich wie es einem geht. Sie ist so intim wie die Stimme und klingt nur durch deinen Atem.
Das Klavier ist für mich ohne jeden Zweifel ein wunderbares Instrument. Aber eine heruntergedrückte Taste klingt wie eine Taste die herunter gedrückt wird. Sie ist annähernd immer gleich. Nicht so unmittelbar vom Mensch beeinflusst wie ein Blasinstrument. Eine schöne Erkenntnis die ich in dieser Stunde gewinne.
Zudem lerne ich das „E“ und das „Fis“.

Ich habe die Flöte zum Überholen gebracht. Der Flötenbauer beurteilt die Flöte überraschenderweise als ganz passabel. Zudem wäre sie sehr gut geeignet für einen Anfänger. Er zerlegt sie, hat sie gereinigt, die Scharniere geölt, ein Polster erneuert (es war nur eines nach all den Jahren kaputt!), nachreguliert und den Stimmkorken eingestellt. Mit dieser kleinen Schönheitsbehandlung klingt sie noch etwas schöner.

November2 20Das Jahr schreitet voran, die Tage werden kürzer, die Temperaturen kälter. An meinem Lieblings-übe-platz werden die Blätter in der Hecke gelb und sie verliert immer mehr davon. Das Maisfeld ist abgeerntet worden und dadurch fühle ich mich nun exponiert. Zu hören war ich ja vorher auch, nur hat man mich nicht sehen können. Aber ich fühle mich an dem Platz sehr wohl und die Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit machen mir nicht so viel aus.
Es ist sogar sehr schön an diesem einen Ort zu sehen wie das Jahr verstreicht. Das schult die Wahrnehmung für das, was sich in in der Natur tut ganz nebenbei.

In meiner Flötentasche ist nun auch ein Filzkissen zum Zusammenrollen dabei, falls ich mich mal hinsetzen und dem Jahreszeitverstreichen in Ruhe zuschauen möchte. Und dabei wenigstens keinen kalten Hintern bekomme.
Vor kurzem raschelt es eine ganze Weile recht auffällig an der Hecke bei dem kleinen Bächlein. Ich bin neugierig und sehe einen, ich glaube gar, es war ein Biber. Ich konnte ihn nicht so genau erkennen, denn er ist schnell durchs Unterholz abgehauen.

Einmal haben mir zwei kleine Kinder von Spaziergängern applaudiert. Das war sehr süß. Ansonsten werde ich in Ruhe gelassen und fühle mich wirklich nie belästigt. Ich mein, selbstverständlich kann jeder hören, das ich noch nicht virtuos spielen kann. Das macht mir gar nichts aus.
Das ist ein krasser Gegensatz zum Klavierspielen, das ich wirklich wirklich seit so langer Zeit erlernen will. Mich dabei aber furchtbar anstelle. Und mich ständig anklage weil es mir so schwer fällt.
Bin von mir selber überrascht das ich etwas leichtherziger das Erlernen der Flöte angehen kann.

Was aber ganz toll an meinen bescheidenen Klavierkenntnissen ist: ich kann mir jedes der Übungsstücke aus der Flötenschule auf meinem Klavier vorspielen und habe dann eine Ahnung wie es klingen soll. Ich habe noch nicht ein einziges Mal die CD hinten aus dem Heft herausgenommen um zu hören wie es klingen muß. Das habe ich bisher immer mit dem Klavier hinbekommen. Selbstverständlich sind diese Anfängerstücke noch nicht schwierig, weder von den Noten noch vom Rhythmus. Bin aber über diese Erkenntnis sehr zufrieden mit mir.